Wortfolter in der Neuzeit
Verfasst: Mi 19. Mär 2008, 11:58
chline input zor "lage der remember-nation" resp. zor internet kommunikation im allgemeine...
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetI ... egoryID=91
de ganzi text
die passende usschnitt:
Oft endet der Vielmailer im Sarkasmus. Doch sind just die sarkastischen Töne schlecht geeignet für E-Mail, da der Angeschriebene das Gesicht des Schreibenden nicht sieht und auch nicht dessen Stimme hört. Das erzeugt Missverständnisse. Wenn man zu sechst eine Sitzung hat, und der Leiter ist offensichtlich unvorbereitet, weshalb die Sitzung statt zwanzig Minuten eine Stunde zwanzig Minuten dauert, dann schreibt man dem Kerl hernach den vernichtenden Satz: «Super, wie das gerade eben schlank ablief, dank deiner vorbildlichen Vorbereitung!» Worauf der Belobigte sofort antwortet: «Herzlichen Dank dir, jawoll, wir waren supereffizient, du natürlich speziell!» Und es ist eine Strafe von geradezu kafkaeskem Format, dass man jetzt nicht weiss, ob er das seinerseits ernst meint. Oder wendet er die perfideste aller E-Mail-Taktiken an: die Spiegelung, also die Imitation des vom Gegenüber angeschlagenen Tones?....
Zu den grösseren Gefahren des Mailens gehört die, dass man sich selber entlarvt: als sprunghaft, pubertär, fies. Die Leichtigkeit des Sendens ist bei diesem Medium unheimlich. Manchmal führt sie einen direkt in die Peinlichkeit. Man schnödet über einen Kollegen: «Jetzt kommt der nach Wochen wieder mal auf die Redi, aber natürlich nicht morgens um neun wie alle anderen, sondern erst nachmittags um fünf, Mannomann! Und er kommt ja auch nur deshalb, weil wir heute Ap©ro haben!» Und weil man sich beim Schreiben den betreffenden Kollegen so intensiv vorgestellt hat, schickt man jetzt die Mail blöderweise an ihn und nicht an jenen anderen Kollegen, für den sie gedacht war, und die Folgen sind unerfreulich.....
E-Mail ist schamlos. Selten würde einer denselben Wunsch, den er per Internet easy anmeldet, am Telefon oder gar im mündlichen Direktgespräch leichtfertig vorbringen; er geriete ins Stottern. So nebenbei ist E-Mail auch der GAU der Orthografie. Wer mailt, gibt sich selten Mühe, das Geschriebene vor dem Absenden noch einmal durchzulesen oder gar schwierigere Wörter nachzuschlagen....
«Too much information» nennen die Amerikaner das Phänomen. Man teilt seinen Mitmenschen mit, was diese gar nicht wissen wollen. Fast jeder mailt in Zeiten der durch fantastische Technik ermöglichten Geschwätzigkeit Dinge herum, von denen er bloss annimmt, dass sie andere Leute interessieren.....
Mit der Zeit verändert E-Mail den Charakter. Als Reaktion auf die Geschwätzigkeit der Welt bildet man eine chronische Lakonie aus....
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetI ... egoryID=91
de ganzi text
die passende usschnitt:
Oft endet der Vielmailer im Sarkasmus. Doch sind just die sarkastischen Töne schlecht geeignet für E-Mail, da der Angeschriebene das Gesicht des Schreibenden nicht sieht und auch nicht dessen Stimme hört. Das erzeugt Missverständnisse. Wenn man zu sechst eine Sitzung hat, und der Leiter ist offensichtlich unvorbereitet, weshalb die Sitzung statt zwanzig Minuten eine Stunde zwanzig Minuten dauert, dann schreibt man dem Kerl hernach den vernichtenden Satz: «Super, wie das gerade eben schlank ablief, dank deiner vorbildlichen Vorbereitung!» Worauf der Belobigte sofort antwortet: «Herzlichen Dank dir, jawoll, wir waren supereffizient, du natürlich speziell!» Und es ist eine Strafe von geradezu kafkaeskem Format, dass man jetzt nicht weiss, ob er das seinerseits ernst meint. Oder wendet er die perfideste aller E-Mail-Taktiken an: die Spiegelung, also die Imitation des vom Gegenüber angeschlagenen Tones?....
Zu den grösseren Gefahren des Mailens gehört die, dass man sich selber entlarvt: als sprunghaft, pubertär, fies. Die Leichtigkeit des Sendens ist bei diesem Medium unheimlich. Manchmal führt sie einen direkt in die Peinlichkeit. Man schnödet über einen Kollegen: «Jetzt kommt der nach Wochen wieder mal auf die Redi, aber natürlich nicht morgens um neun wie alle anderen, sondern erst nachmittags um fünf, Mannomann! Und er kommt ja auch nur deshalb, weil wir heute Ap©ro haben!» Und weil man sich beim Schreiben den betreffenden Kollegen so intensiv vorgestellt hat, schickt man jetzt die Mail blöderweise an ihn und nicht an jenen anderen Kollegen, für den sie gedacht war, und die Folgen sind unerfreulich.....
E-Mail ist schamlos. Selten würde einer denselben Wunsch, den er per Internet easy anmeldet, am Telefon oder gar im mündlichen Direktgespräch leichtfertig vorbringen; er geriete ins Stottern. So nebenbei ist E-Mail auch der GAU der Orthografie. Wer mailt, gibt sich selten Mühe, das Geschriebene vor dem Absenden noch einmal durchzulesen oder gar schwierigere Wörter nachzuschlagen....
«Too much information» nennen die Amerikaner das Phänomen. Man teilt seinen Mitmenschen mit, was diese gar nicht wissen wollen. Fast jeder mailt in Zeiten der durch fantastische Technik ermöglichten Geschwätzigkeit Dinge herum, von denen er bloss annimmt, dass sie andere Leute interessieren.....
Mit der Zeit verändert E-Mail den Charakter. Als Reaktion auf die Geschwätzigkeit der Welt bildet man eine chronische Lakonie aus....